| Kapitel 2 |
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„Teddy, Du sollst sofort zum Boss kommen!“ Thaddäus seufzte. Wie sollte er je mit seiner Arbeit fertig werden, wenn er ständig gestört wurde? „Okay, ich gehe gleich.“, brummte er missmutig, während er einen letzten prüfenden Blick auf den Monitor warf. Das Problem schien behoben, zumindest für den Augenblick.
„Ah, Quint, da sind Sie ja!“ Die Stimme des Chefs erschien Teddy eine Spur zu freudig. Er kannte seinen Boss ganz genau. Wenn er in diesem Ton mit seinen Angestellten sprach, führte er Etwas im Schilde – und das war nur in den seltensten Fällen etwas wirklich Erfreuliches. „Quint, Sie sind unser bester Elektroniker. Das muss ich Ihnen mal sagen.“ Teddy wusste, dass „der Alte“ Recht hatte, dennoch gelang es ihm, peinlich berührt und überrascht zugleich auszusehen. „Sie haben mehrere Fortbildungen absolviert, seit Sie bei uns sind, nicht wahr?“ fuhr Elmer Lewis, Präsident der Firma „Histravel“, fort. „Stimmt. Ich bin Sicherheitsbeauftragter für alle betrieblichen Abläufe.“ „Sehr schön. Sie sind natürlich auch mit unseren elektronischen Entwicklungen vertraut?“ „Ich habe an Einigen persönlich mitgearbeitet.“ Einen gewissen Stolz konnte Teddy nun nicht länger verbergen. „Zuletzt war ich maßgeblich an der Weiterentwicklung des tp8 beteiligt.“ „Lieber Quint“, gönnerhaft lehnte sich der Boss in seinem Stuhl zurück. „Das ist mir natürlich bekannt. Was glauben Sie, warum ich Sie habe rufen lassen?“ „Sir, das weiß ich wirklich nicht.“ Im Geiste ging Teddy seine Arbeit der letzten Wochen durch. Hatte er vielleicht irgendwo einen gravierenden Fehler übersehen oder gar selbst gemacht? Nein, er hatte eine weiße Weste, was seine Arbeit anging. „Nun, dann will ich Sie mal nicht länger schmoren lassen. Ich habe einen besonderen Auftrag für Sie. Sie werden verreisen.“ „Ah, ich verstehe. Sie wollen mich in eine unserer Niederlassungen schicken. Wo klemmt’s denn?“ „Quint, es ‚klemmt‘ nirgendwo und ich werde sie auch in keine unserer Niederlassungen schicken. Vielmehr werden Sie in die Vergangenheit reisen.“ „Ich? In die Vergangenheit? Sir, das kann unmöglich Ihr Ernst sein. Ich fühle mich in der Gegenwart sau.. äh, Verzeihung ... pudelwohl. Ich habe nicht das Bedürfnis, mich in irgendeine andere Zeit zu begeben.“ „Ihre Bedürfnisse interessieren mich nicht im Geringsten. Für mich zählen die Interessen von Histravel und wir haben nun mal das allergrößte Interesse daran, Sie mit dieser Aufgabe zu betrauen.“ „Wie würde diese Aufgabe denn aussehen?“ – Ein wenig neugierig war Teddy ja nun doch geworden. „Ihre Aufgabe, mein lieber Quint...“ – schon wieder dieser gönnerhafte Ausdruck in den Augen des „Alten“. „... wird in der Sicherheit unserer Passagiere bestehen. Sie werden darauf achten, dass die Geräte ordnungsgemäß funktionieren – und Sie werden für die Sicherheit jedes Einzelnen gerade stehen. Jedes Passagiers, aber auch für die Sicherheit ihrer Mitarbeiterin.“ „Moment mal. Sagten Sie eben MitarbeiterIN?“ „Quint, Sie haben richtig gehört. Die Reiseleitung wird eine junge Dame übernehmen. Teresa Novel. Hat Europäische Geschichte studiert und Ethnologie. Ein intelligentes Mädel.“ Ein anzügliches Grinsen lag auf dem Gesicht des Alten, als er hinzufügte: „Ein bildhübsches übrigens!“ „Sir, wie lange habe ich Bedenkzeit. Und wann würde die erste Reise starten?“ Der „Alte“ fing an, schallend zu lachen, als hätte Teddy einen derben Witz gemacht. „Die erste Reise beginnt genau heute in zwei Wochen. Ziel ist Southampton, April 1912. Bedenkzeit? Quint, nur Sie kommen in Frage. Sie haben keine Bedenkzeit. Kommen Sie morgen um 10 Uhr in mein Büro, dann stelle ich Ihnen Ihre Mitarbeiterin vor.“ Damit war das Gespräch offenbar beendet und Teddy entlassen. Teddy wusste nicht so recht, ob er sich ärgern oder freuen sollte. Klar, Zeitreisen waren das Erlebnis schlechthin und seine Kollegen würden ihn für diese Möglichkeit beneiden, in die geschichtsträchtige Vergangenheit des Planeten Erde zu reisen. Aber was war mit seinem Leben hier, seinem Sport? Teddy war das, was man landläufig als einen Sportfanatiker bezeichnete. Mehr als die Hälfte seiner freien Zeit verbrachte er mit dem Trainieren der unterschiedlichsten Kampfsportarten und zur Erholung spielte er dreimal die Woche Tennis. Kaum denkbar, dass er diese Aktivitäten irgendwo im finsteren Mittelalter würde durchführen können. Was noch schlimmer war: er würde mit einer Frau zusammen arbeiten müssen. Zwar war Teddy in privaten Belangen dem weiblichen Geschlecht gegenüber sehr aufgeschlossen, im Beruf jedoch regierte die Devise „Frauen sind prinzipiell ein Sicherheitsrisiko“. Verdammt, hätte der Alte ihm nicht wenigstens einen männlichen Reiseleiter zur Seite stellen können? Es gab doch sicher auch genug Männer, die über mindestens ebenso gute Voraussetzungen verfügten wie diese Kleine. Wie hieß sie noch? Richtig, Teresa hatte der Alte sie genannt. Teddy beschloss, seine Arbeit für heute zu beenden. Seine Sportkleidung hatte er in einem Spind eingeschlossen, so konnte er ohne Umweg gleich zum Sportcenter. Das wird meinen Kopf frei pusten, hoffte er. Danach würde er noch in „Bill’s Corner“ herein schauen. Bill, sein Freund, Nachbar und Wirt seines Stammlokals, würde schon etwas einfallen, um Teddys Laune zu verbessern. |