Kapitel 3
Elmer Lewis lehnte sich bequem in seinem Sessel zurück. Mit Wohlgefallen betrachtete er seine neue Angestellte. Die Kleine wirkte ein wenig ängstlich. Klar, das ist ihr erster Job. Hoffentlich bekommt sie keinen Schreck, wenn Quint endlich da ist, dachte er. Laut sagte er: „Erschrecken Sie nicht, wenn Sie Quint kennen lernen. Er wirkt wie ein grober Klotz, aber ich kann Ihnen versichern, er ist ein netter und besonders fähiger Mitarbeiter. Er wird jeden Augenblick hier sein."

Wie aufs Stichwort klopfte es energisch an der Tür und der Erwartete trat ein. Neben diesem Riesen muss sich die Kleine wie ein Püppchen fühlen, dachte Elmer und ein Blick in Tess‘ Augen bestätigte, dass sie genau so gedacht haben musste.
„Freut mich, Sie kennen zu lernen“, sagte Teddy betont höflich, nachdem der Boss die Beiden vorgestellt hatte. Schmunzelnd stellte Elmer fest, dass Teddys Augen zu leuchten begannen.
„Danke, ganz meinerseits“, entgegnete Tess reserviert.

„Damit wäre Ihr Team komplett“, begann der Boss nun das Gespräch. „Sie werden in den nächsten Wochen viel Zeit miteinander verbringen – in der Gegenwart und in der Vergangenheit. Ich wünsche, dass Sie sich detailliert vorbereiten. Tess – ich darf Sie doch so nennen? – Sie werden Quint über die Gegebenheiten zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts informieren, und zwar über Alles, was wichtig zu wissen ist, damit Sie und Ihre Reisegruppe unter keinen Umständen auffallen oder entlarvt werden. Quint, Sie werden alle Sicherheitsrisiken abchecken und gemeinsam mit Tess feste Regeln aufstellen, die sowohl für Sie selbst, als auch für die Passagiere gelten. Sie haben noch genau 13 Tage Zeit. Tess, Ihnen steht Schulungsraum 3 zur Verfügung. Der Raum ist mit allen Medien ausgestattet, die Sie benötigen, um sowohl die Passagiere, als auch Ihren Kollegen, eingehend zu schulen. Histravel schreibt ein neues Kapitel in der Geschichte des Tourismus. Ich erwarte, dass diese Reise reibungslos verläuft. Diese Reise muss ein Erfolg werden!“

Tess und Teddy nickten bestätigend. Beiden war nicht wohl in ihrer Haut, das spürte sogar der Boss ganz deutlich. Wenn das nur gut geht, dachte er und hoffte inständig, dass dieses zierliche Persönchen einem Macho wie Quint die Stirn würde bieten können. Er kannte Quint schon ein paar Jahre lang und er erinnerte sich an manche Äußerung Quints, die dessen Geisteshaltung widerspiegelte. Bei allem, was ich über das 20. Jahrhundert weiß, müsste Quint und seine Haltung gegenüber Frauen perfekt in die Zeit passen, dachte er.
„Haben Sie noch Fragen?“ Die Höflichkeit gebot, den Mitarbeitern wenigstens diese Möglichkeit einzuräumen.
„Ja“, hob Quint an. „Wie hoch ist mein Gehalt für diesen Ausflug?“

Elmer hatte gar nicht die Absicht, diese Frage zu beantworten. Viel zu sehr war er damit beschäftigt, über Tess nachzudenken.
Elmer hatte den Eindruck, dass die Gehaltsfrage das Letzte war, was Tess an diesem Job interessierte. Wenn er sie richtig einschätzte, dann war es Idealismus, der sie dazu trieb. Idealismus und die einzigartige Gelegenheit, Geschichte live zu erleben.
„Danke, Sir, ich habe im Moment keine Fragen.“ Als wolle sie Elmers Gedanken bestätigen, machte Tess Anstalten, den Raum zu verlassen, doch der Boss rief sie noch einmal zurück:

„Tess, ich wünsche Ihnen und Quint viel Erfolg bei dieser Reise. Die Zukunft des Zeittourismus liegt in Ihren Händen. Seien Sie sich dieser Verantwortung bewusst.“
Fast ehrfürchtig nickte Tess zu seinen Worten und verließ den Raum ohne ein weiteres Wort.

„Ich habe Ihnen ja gesagt, sie ist niedlich, nicht wahr?“, zwinkerte der Boss Teddy zu.
„Stimmt“, gab Teddy spröde zurück. „Aber das allein reicht mir nicht, um sie als geeignet zu betrachten. Sie wird sich ihre Sporen verdienen müssen.“
„Quint, lösen Sie sich endlich von der Vorstellung, Kompetenz sei eine rein männliche Domäne. Geben Sie ihr eine Chance und zeigen Sie Kooperation. Und jetzt gehen Sie zu ihr. Es gibt viel zu lernen. Viel Erfolg!“ Damit war auch Teddy entlassen.